Rollen-Spiel
Nachmittags geht er hin, im T-Shirt, schwarzer Jeans und der hellen Wetterjacke. Der Regen peitscht ins Gesicht. Niemand sieht sich nach ihm um, zu alltäglich der Gang, zu weit entfernt der jugendliche Schwung.Am Abend wird er festliche Kleidung tragen, einen Ball besuchen, fröhlich tanzen mit fülligen Damen. Begehrt von der Schönsten die ihre Liebe im Sopran ihm bekundet. Im Tenor wird er ihr antworten und wissen dass er nie der treuen Liebe verfallen wird. Intrigen wird er spielen und gewinnen, die königlichen Brüste werden sich an seinem Körper reiben. Der Bariton, in ein Duett verstrickt wird den Kürzeren ziehen. Der Applaus wird stehend und frenetisch sein, drei viermal wird der Vorhang sich öffnen, tief verneigend, Küsse ins Publikum werfend, wird er abgehen von den drehenden Brettern.
Danach ist sein Gesicht wieder fahl und entfernt das Dunkelglänzende italienische Heldenhaar. Auf der Strasse mit T-Shirt, schwarzer Jeans und der hellen Wetterjacke erkennt ihn niemand und der Wind zehrt an ihm. Zu weit entfernt der jugendliche Geist für ein Lachen, ein kleines Stück Held nimmt er mit nach Draußen.
Franco Babista - 21. Mai, 16:09
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Wie wunderbar vieldeutig die Welt doch sein kann. Die Frauen werden schöner und die Engel können auf Türmen landen... Und das alles nur weil die Brille wieder mal eigene Wege geht.
Nicht nach oben wird geklettert, nach unten abgeseilt. Immer öfter sind die akrobatischen Fensterreiniger auf den Kathedralen der Stadt zu sehen. Mit ihren Monturen erinnern diese Abseiler an B-Movies, reinziehend gedankenverloren die Augen auf dem Schirm an einsamen Abenden auf dem Sofa.
Die etwas molligen Frauen beherrschen meine Phantasie und damit auch meine Welt. Das war früher nicht so...